Mein Mann sagte, ich soll einfach weniger fahren. Ich habe stattdessen das hier gefunden.
Ich fahre nicht viel. Das sage ich nicht zur Beruhigung - das ist schlicht die Wahrheit. Die Kinder müssen täglich zur Grundschule, dreimal die Woche fahre ich selbst zur Arbeit - je etwa 30 Kilometer einfache Strecke - und dazwischen der übliche Einkauf. Kein Außendienst, kein Dienstwagen, keine Langstrecke. Und dennoch lag meine monatliche Tankrechnung im März über der Stromrechnung für unsere gesamte Wohnung.
Im März zahlte ich 197 Euro an der Zapfsäule. Ich fahre rund 1.100 Kilometer pro Monat mit meinem Ford Focus 1.5 EcoBoost - Verbrauch laut Bordcomputer: 7,1 Liter auf 100 Kilometer. Das sind knapp 78 Liter im Monat. Bei 2,02 Euro je Liter - dem Märzdurchschnitt laut ADAC - ergibt das exakt diese Zahl. Und seit dem 1. April ist es noch teurer geworden.
Ich fragte meinen Mann, ob ihm dazu etwas einfällt. Seine Antwort kam schnell und ohne lange nachzudenken: „Dann fahr halt seltener."
Er meinte es nicht abweisend. Ich glaube, er hatte schlicht keine bessere Idee. Aber der Satz hat mich beschäftigt - weil er eben keine Antwort ist. Ich fahre bereits nicht „zu viel". Ich fahre, weil der Alltag das so verlangt. Weil die Kinder nicht selbst zur Schule kommen. Weil der Wochenmarkt nicht vor der Haustür liegt. Weil Teilzeitarbeit noch lange nicht bedeutet, dass man zu Fuß geht.
Politiker versprechen seit Monaten Entlastung. Unterdessen kostet ein Liter Benzin mehr als je zuvor.
— Sarah Brenner, AutorinWie ich auf diesen Stecker gestoßen bin
In der Elternpflegschaft unserer Grundschule gibt es eine Mutter - Andrea, drei Kinder, fährt einen älteren Opel Zafira -, die irgendwann aufgehört hatte, sich über Benzinpreise zu beklagen. Das fiel mir auf, weil das Thema bei unseren Treffen nach der Schulpflegschaft eigentlich nie fehlte. Beim nächsten Elterncafé fragte ich sie direkt, was sich geändert hatte.
„Ich habe etwas ausprobiert", sagte sie. „Ich war selbst skeptisch, ehrlich gesagt." Sie holte ihr Handy heraus und zeigte mir ein kleines Gerät - etwa so groß wie ein länglicher USB-Stick - das sie unter dem Lenkrad ihres Autos in eine Buchse gesteckt hatte.
Das Gerät heißt SynGas. Es wird in die sogenannte OBD2-Schnittstelle gesteckt - dieselbe Buchse, an die Werkstattmitarbeiter und TÜV-Prüfer ihr Diagnosegerät anschließen, die seit 1996 in jedem in Deutschland zugelassenen Fahrzeug gesetzlich vorgeschrieben ist. Laut Hersteller liest der Chip in Echtzeit die Motordaten aus und optimiert die Kraftstoffeinspritzung angepasst an die tatsächliche Fahrweise - anstatt dauerhaft mit den konservativen Werkseinstellungen zu arbeiten, die für den internationalen Einsatz ausgelegt sind.
Die technische Erklärung habe ich zur Hälfte verstanden. Aber Andrea sagte nur: „Ich halte mir einfach die Tankquittungen vor und nach nebeneinander. Der Rest interessiert mich nicht wirklich."
Mein Selbstversuch: Acht Wochen, zwei Phasen, ein Haushaltsbuch
Ich bin weder Journalistin noch Ingenieurin. Aber ich führe seit gut vier Jahren ein Haushaltsbuch - jede Ausgabe, jede Tankfüllung, Datum und Literpreis. Das ist eine Angewohnheit aus der Zeit, als das Geld wirklich knapp war, und ich habe sie nie abgelegt. Ich hatte also die Grundlage, um das selbst nachzuprüfen.
Vier Wochen lang fuhr ich ohne SynGas und notierte alles wie gewohnt. Danach vier Wochen mit SynGas - möglichst gleiche Strecken, gleiche Fahrweise, so weit das mit zwei Kindern und dem normalen Alltagschaos realistisch möglich ist. Mein Fahrzeug: Ford Focus 1.5 EcoBoost, Baujahr 2018. Hauptsächlich Stadtverkehr in und um Karlsruhe, gelegentlich Überlandfahrten.
ohne SynGas
mit SynGas
Ersparnis
21 Prozent weniger Verbrauch - das liest sich wie ein Werbeprospekt. Das weiß ich. Ich hätte es selbst nicht geglaubt, wenn ich es nicht im Haushaltsbuch stehen hätte. Ich habe die Rechnung dreimal nachgeprüft:
Ich habe meinem Mann die Quittungen nebeneinandergelegt und die Zahlen erklärt. Er hat eine Weile geschwiegen. Dann fragte er, ob man das Gerät auch für seinen Kombi bekommt.
Was mich am meisten überrascht hat: die Einrichtung
Ich bin kein technischer Mensch. Ich bringe das Auto zur Inspektion, nicke beim Gespräch mit dem Werkstattmeister und unterschreibe den Kostenvoranschlag. Das war mir also wichtig: Ist das etwas, das ich selbst anschließen kann, ohne etwas zu beschädigen?
Die Einrichtung dauerte - wenn man dieses Wort hier überhaupt verwenden darf - keine 30 Sekunden. Die OBD2-Buchse befindet sich bei meinem Focus links unterhalb des Lenkrads, gut erreichbar ohne Werkzeug. Stecker einstecken, Zündung für etwa 30 Sekunden einschalten, Motor anlassen, losfahren. Das war alles.
Die OBD2-Schnittstelle ist seit 1996 in Deutschland für alle Fahrzeuge Pflicht und wird bei der Hauptuntersuchung zur Fehlerauslesung genutzt. SynGas kommuniziert über genau diese Schnittstelle mit der Motorsteuerung, nimmt aber laut Hersteller keine dauerhaften Veränderungen vor. Zieht man den Stecker heraus, ist das Fahrzeug sofort wieder in seinem ursprünglichen Zustand - ohne Rückstände im System.
Ist das legal - und was sagt die Werkstatt dazu?
Das war meine erste Frage, noch bevor ich bestellt hatte. Beim nächsten Ölwechsel habe ich unseren Kfz-Meister Herrn Schäfer direkt gefragt - er betreut beide Autos bei uns seit Jahren, kennt unsere Fahrprofile und redet Klartext, wenn ihm etwas nicht passt. Ich zeigte ihm das Gerät und fragte ihn offen.
Seine Einschätzung war nüchtern und eindeutig: Solange der Stecker keine dauerhaften Änderungen an der Motorsteuerung vornimmt - und das ist bei SynGas laut Hersteller nicht der Fall - gibt es aus seiner Sicht keinen Grund zur Beanstandung. „Das Steuergerät Ihres Autos hat ohnehin Toleranzbereiche, die im Werksbetrieb nicht ausgeschöpft werden. Was dieses Gerät macht, bewegt sich nach allem, was ich sehen kann, innerhalb dieser Grenzen", sagte er. Auf Garantie und Hauptuntersuchung habe es keinen Einfluss, da keine irreversiblen Eingriffe stattfinden.
Ich bin keine Anwältin und gebe hier keine Rechtsauskunft - das sei ausdrücklich gesagt. Aber ich habe nachgefragt, bevor ich etwas ausprobiert habe. Und der Stecker steckt seither ohne Bedenken in meinem Auto.
Was drei Bekannte nach dem Test berichten
Nachdem ich in unserer Pflegschaftsgruppe kurz erzählt hatte, was ich getestet hatte, haben sich binnen einer Woche drei weitere Frauen gemeldet, die es ebenfalls ausprobiert haben. Ich gebe ihre Rückmeldungen ungekürzt wieder:
Mein Fazit - und warum mich das im Nachhinein ein wenig ärgert
Nicht das Gerät ärgert mich. Mich ärgert, dass ich jahrelang einfach mehr bezahlt habe, ohne auch nur einmal nachzufragen, ob es eine Alternative gibt. Benzinpreise steigen - man schluckt es, tankt, fährt weiter. Vielleicht dreht man die Heizung etwas runter oder verzichtet auf das Restaurantessen am Freitag. Aber an der Zapfsäule selbst denkt man nicht über Lösungen nach. Das neue „Österreich-Modell" sollte das ändern - stattdessen kletterten die Preise am ersten April auf Rekordniveaus. Die politische Lösung ist gescheitert. Die eigene Lösung muss man selbst finden.
SynGas ist kein Wundermittel. Das möchte ich ausdrücklich sagen. Die beworbenen 55 Prozent Ersparnis halte ich für unrealistisch unter normalen Alltagsbedingungen. Was ich nach acht Wochen Selbstversuch sagen kann: Für Fahrerinnen und Fahrer mit modernen Benzin- oder Dieselmotoren, die überwiegend im Stadt- und Pendelverkehr unterwegs sind, ist ein Effekt von 15 bis 25 Prozent realistisch und nachprüfbar. Bei meinen 1.100 Kilometern im Monat waren das rund 420 Euro im Jahr - nachgezählt, Quittung für Quittung.
Das Gerät kostet heute, mit dem laufenden Rabatt, weniger als eine einzige Tankfüllung. Und wer nach 30 Tagen keinen Unterschied feststellt, kann es zurückschicken. Das Risiko liegt eindeutig nicht bei uns Käufern.